Adipositas (Fettsucht)

Chirurgische Therapiemöglichkeiten der morbiden Adipositas


Adipositas (Fettsucht)

= besteht, wenn der Anteil der Fettmasse am Körpergewicht bei Frauen 30% und bei Männern 20% überträgt. Durch den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) kann indirekt die Fettmasse abgeschätzt werden.

Body-Mass-Index (BMI) BMI

"medizinisch krankhafte (morbide) Adipositas" (Adipositas III°)


Bei BMI ≥ 40 besteht ein statistisch hohes Risiko, dass die Adipositas unbehandelt zu diversen Begleiterkrankungen führt:

→ Bluthochdruck
→ Durchblutungsstörungen
→ Herzinfarkt
→ Schlaganfall
→ Gelenksschäden u.v.m.

somit ist die Behandlung der Adipositas nicht nur aus ästhet., sondern vor allem aus med. Gründen wichtig

Therapiesäulen der Adipositas


I. Einsicht

Voraussetzung zum Erfolg jeglicher Therapieansätze ist die Einsicht des Patienten, ein Gewichtsproblem zu haben und die Motivation, dieses Problem zu beheben.

II. Ernährungsumstellung

du bist wie/was du isst

WIE Zeit nehmen beim Essen, die Mahlzeit als besonderen Punkt in der Tagesordnung einplanen, kleinere Mahlzeiten, gut kauen, bewusst auf Sättigungsgefühl achten, Abends nur kleine bis gar keine Mahlzeit einnehmen, .
Anm.: Bei Schwierigkeiten, das Essverhalten umzustellen, können spezifische Verhaltenstherapie, psychologische Unterstützung und/oder Selbsthilfegruppen große Wirkung zeigen.

WAS Zucker-/fettreiche Nahrungsmitteln möglichst vermeiden, keine zuckerhältigen/gesüßten Getränke, Alkohol meiden - am besten Wasser trinken. Vollkornkost, Fertigprodukte meiden und auf Inhaltsstoffe achten, viel Gemüße, Obst und Eiweiß, .

III. Bewegung

Es geht nicht nur darum, regelmäßig Sport zu betreiben. Auch die "kleinen" Lebensstilveränderungen (Treppen steigen statt Fahrstuhl, zu Fuß statt mit U-Bahn, zu Fuß einkaufen etc) zeigen Wirkung.


Die Therapie der Adipositas ist eine aktive Aufgabe und erfordert eine
legenslange Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.
Die Aussicht auf Erfolg steht und fällt mit der Bereitschaft des Patienten,
seine Ernährungs- und Lebensweise langfristig umzustellen


Chirurgische Therapiemöglichkeiten


Bei Vorliegen einer medizinisch krankhaften (morbiden) Adipositas (BMI ≥ 40) und bislang erfolgloser Ausschöpfung der "konservativen" Therapiemaßnahmen (s.o.) ist ein chirurgisches Therapieverfahren als ergänzende Therapie gerechtfertigt (und wird unter diesen Voraussetzungen auch von der Krankenkasse bezahlt). Heutzutage werden die chirurgischen Therapiemaßnahmen ohne großen Bauchschnitt, sondern mittels der sogenannten "Knopfloch-Chirurgie" (minimal invasive Chirurgie, Laparoskopie) durchgeführt.

A. das Steuerbare Magenband

Adipositas Abb.1

Ein füllbares Silikonband wird gürtelförmig über den oberen Magenanteil herumgelegt und geschlossen. Dadurch wird der Magen Sanduhrförmig in zwei ungleich große Abschnitte
(Abb. 1: I & II) unterteilt - mit einem engen Durchgang
(Abb. 1: gebogener Pfeil) in der Mitte. Wie ein Gürtel kann auch das Magenband enger gestellt werden: das Band ist außen straff und nicht dehnbar und hat innen einen befüllbaren Ballon. Durch Auffüllen dieses Polsterteils wird der Ring innen enger gestellt, wodurch der Durchgang zwischen den beiden Magenanteilen in seiner Weite steuerbar ist. Dem Magenbandträger wird unter der Haut ein kleiner Metallbecher angenäht, der an seiner Oberseite mit einer Silikonmembran verschlossen ist. Dieser Metallbecher steht über einen Schlauch mit dem auffüllbaren Polster des Magenbandes in Verbindung. Mit einer speziell geschliffenen Nadel kann durch die Haut in den Metallbecher eingestochen und Flüssigkeit injiziert werden. Dadurch füllt sich der Polster des Magenbandes und die Durchlassöffnung wird enger. Diese Steuerung wird so durchgeführt, dass einerseits eine zufriedenstellende Gewichtsabnahme gegeben ist, andererseits aber nach Möglichkeit kein Erbrechen bei der richtig durchgeführten Nahrungsaufnahme auftritt.
Wirkprinzip: (1) Der obere, kleinere Magenanteil wirkt als "Vormagen". Wenn man etwas isst, wird rascher ein bestimmter Magen-Dehnungszustand erreicht, welcher das Sättigungsgefühl vermittelt. (2) Wenn man zu schnell ist/zu wenig kaut/auf einmal zu viel isst, kann die Nahrung nicht den durch das Magenband eingeengten Druchgang passieren - und man erbricht. Diese Unannehmlichkeit erzieht den Bandträger zum richtigen Essen.

Vorteile des Magenbandes:

  • relativ einfacher Eingriff
  • Magen und Darm werden nicht aufgeschnitten - Organe bleiben unversehrt
  • Operative Enfernung des Bandes leicht möglich (die OP ist nicht "endgültig")
  • Steuerbarkeit der Weite/Enge des Magenbandes

Voraussetzung für den OP-Erfolg ist jedoch die Mitarbeit des Patienten. Das Magenband wirkt unterstützend bei der Gewichtsabnahme, kann jedoch "betrogen werden" - z.B. können gesüßte Getränke, Eis, Schokolade, Schlagobers, fettreiche Suppen und Saucen, Alkohol etc. sehr leicht den durch das Band gebildeten, engen Durchgang im Magen passieren - das Band zeigt hierbei somit keine Wirkung. Das bedeutet, dass trotz Operation wichtige Ernährungsregeln beachtet werden müssen:

→ Auf das Sättigungsgefühl achten. Aufhören sobald dieses auftritt - auch wenn noch was am Teller ist. Eine Überfüllung des (Vor-)Magens (Abb.1, I) verursacht auf Dauer erneut eine Ausdehnung des verkleinerten Teils des Magens bzw. führt zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Speiseröhrenmotorik und -Schleimhaut.
→ Keine kalorienhältigen Flüssigkeiten (Cola, Fanta, Fruchtsäfte, Alkohol)
→ Süßigkeiten meiden - Speiseeis, Schokolade, Torten, Kuchen, Kakao, Pudding, Speisen mit viel Schlagobers/Zucker passieren leichtest das Magenband. Ebenso auch
→ Fette Saucen, Kekse, Chips. Durch die problemlose Bandpassage wird hierdurch kein Sättigungsgefühl erzeugt. So kann der Pat. enorme Kalorienmengen aufnehmen, was eine Gewichtsabnahme verunmöglicht.
→ ausgewogene Ernährung - evtl. ergänzende Vitaminpräparate.

Die häufigsten Gründe für Erbrechen beim Bandträger:

  • zu schnelles Essen + mangelhaftes Kauen der Nahrung
  • zu große Mengen während einer Mahlzeit
  • gleichzeitiges Essen und Trinken

Von einigen Patienten wissen wir, dass sie Schwierigkeiten haben mit:

  • grobfasrigem Fleisch - insbesondere Rindfleisch
  • Haut von Orangen, Mandarinen, Grapefruits, Trauben, Tomaten, Mais, Bohnen
  • Grünem Salat, Sauerkraut
  • Reis

B. der Magenbypass

Adipositas Abb.2

Bei diesem Eingriff wird ein etwa mandarinengroßer, oberer Magenanteil gebildet (Abb. 2, I) und abgetrennt. Dieser wird dann mit dem Dünndarm verbunden. Der geschluckte Nahrungsbrei gelangt über die Spieseröhre in diesen kleinen Restmagen und dann sofort in den Dünndarm. Der abgetrennte Hauptteil des Magens, der Zwölffingerdarm und der obere Dünndarm werden dadurch aus der Nahrungsmittelpassage ausgeschlossen. Die in der Bauchspiecheldrüse und Leber gebildeten Verdauungssäfte werden bis zu 100 cm weiter unten im Dünndarm zugeleitet. Daher beginnt erst dort die Verdauung der Nahurngsbestandteile.
Wirkprinzip: Die Gewichtsreduktion wird (1) durch die starke Magenverkleinerung sowie (2) durch die Umgehung eines Dünndarm-Anteils mit Ausschaltung einer Verdauungszone erreicht. (3) Durch die Verkürzung der von Nahrungsbrei und Verdauungssäften gemeinsam durchflossenen Dünndarmstrecke können nicht alle Nahrungsbestandteile aufgespalten und ins Blut aufenommen werden.

Nebenwirkung:

  • Mangelerscheinungen : Vitamin und Mineralstoffmangel (v.a. Vit. B12, Folsäure, Vit. D, Calcium und Eisen ? regelmäßige präventive Zufuhr dieser Substanzen notwendig, sowie Kontrollen beim Arzt.
  • Dumping-Syndrom : diese unangenehme Reaktion tritt auf, wenn die Patienten Zucker in irgendwelcher Form zu sich nehmen. Der Zucker gelangt sehr rasch in den Dünndarm und.
    • bindet dort Wasser, welches dem Kreislauf entzogen wird. Dies führt zu Schwindelzuständen bis hin zum Kollaps.
    • führt zu raschen, hohen BZ-Spitzenwerten im Blut. Massive Insulinausschüttung. Zucker sinkt; da Insulin nicht so schnell abgebaut wird, sind Unterzuckerungen möglich: Übelkeit, erbrechen, Zittrigkeit
    Das Dumping-Syndrom hat auch sein "Positives" - es führt dazu, Zucker zu meiden und unterstützt damit die Gewichtsabnahme.
  • Vor allem anfänglich kann die schlecht verdaute Nahrung im Dickdarm zu Durchfällen führen. Das nicht vollständig verdaute Fett bindet im Darm Wasser und wird mit dem Stuhl ausgeschieden (Fettstühle).
  • Irreversibel: Im Gegensatz zum Magenband kann eine Magenbypassoperation nur bedingt wieder rückgängig gemacht werden. Die Wiederherstellung des physiologischen Passageweges für den Speisebrei bedeutet einen großen und entsprechend schwierigen und risikoreichen Eingriff.

Obwohl die Magenbypass-Operation schwieriger ist, mit beträchtlichen Mangelerscheinungen und mit höheren Komplikationen bis hin zur Bauchfellentzündung und Tod einhergehen kann, gibt es doch überzeugende Vorteile des Magen-Bypasses:

  • bessere Ergebnisse hinsichtlich Gewichtsverlust - selbst bei mangelnder Patientenmitarbeit (selbst wenn Patienten weiterhin Süßes/fettreiche Kost/ etc. - kurzum:
    Ernährungssünden begehen - verlieren sie an Gewicht, da der Körper nicht die gesamte zugeführte Nahrung aufnimmt und einfach wieder ausscheidet.
  • Daher empfiehlt sich der Magenbypass besonders für folgende Patienten:
    • Sehr hohes Übergewicht
    • Ausgeprägte Genussesser, die von vornherein langsam essen
    • Suchtgefährdete Personen (Alkohl-, Nikotin-, Esssucht)
    • Sweet-eater, Heißhunger-Patienten (z.B. Heißhunger auf Fettreiches, Fast-Food,.)
    • Aversion gegen "Behinderung" beim Essen. Diese Patienten würden ihr Magenband betrügen. (So gibt es zum Beispiel Patienten, die dann täglich Mayonnaise, Literboxen Eis, Schlagobers,. zu sich nehmen).

Anmerkung: Adipositaschirurgische Eingriffe sollten an spezialisierten Zentren durchgeführt werden, um ein optimales postoperatives Ergebnis zu erzielen. Spezialisierte, erfahrene Chirurgen haben heute eine sehr geringe Rate an (post-) operativen Komplikationen.



(Quelle siehe Impressum)